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Alles gleich verteilt? Spurenelemente im Oberboden der Weideflächen des Schülenswaldhofs: ein Praxistest von der Bodenprobe zur Handlungsstrategie

Beschreibung

Dauergrünland macht in Baden-Württemberg knapp 40 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus – mehr als im Bundesdurchschnitt. Genutzt wird es jedoch überwiegend als Wiese: Weiden stellen nur gut ein Viertel des Dauergrünlands und liegen damit unter dem Bundesschnitt. Umso interessanter sind Betriebe, die konsequent auf Weidehaltung setzen. Einer davon ist der Bioland-Betrieb Schülenswaldhof von Familie Förster in Maulbronn (https://www.schuelenswaldhof.de/). Die Milchkühe weiden dort von Frühjahr bis Herbst ganztägig auf hofnahen Weideflächen; für sein Stallkonzept mit Kompostierungsstall wurde der Betrieb 2022 im Bundeswettbewerb „Landwirtschaftliches Bauen“ ausgezeichnet, verliehen vom damaligen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (https://www.ktbl.de/themen/bundeswettbewerb-bauen-2022).

Was den Hof beim Tierwohl zum Vorbild macht, wirft auf der Fläche eine Frage auf, die bislang kaum gestellt wird: Wenn Kühe den größten Teil des Jahres selbst auf der Weide fressen und misten, kehren die Nährstoffe nicht gleichmäßig auf die Fläche zurück. Rund um Tränken, Liegeplätze und Triebwege landen mehr Kot und Harn als anderswo; und mit ihnen auch Spurenelemente aus Futter und Mineralfutter. Sind Mikronährstoffe und Schwermetalle also gleichmäßig über die Weide verteilt, oder gibt es Teilflächen, auf denen Mikronährstoffe knapp oder reichlich vorhanden sind oder sich Schwermetalle anreichern?

In diesem Projekt schaffst Du dafür eine erste Datengrundlage. Gemeinsam nehmt Ihr auf einer oder mehreren Weideflächen des Schülenswaldhofs zahlreiche Bodenproben (0-20 cm) und lasst sie auf ausgewählte Spurenelemente (Mikronährstoffe wie Cu, Zn, Mn sowie potenziell schädliche Elemente wie Pb, Cd) untersuchen (Mitarbeit im Labor gegebenenfalls möglich). Ergänzend können EM38-Messungen der scheinbaren elektrischen Leitfähigkeit des Bodens helfen, die Fläche in Zonen einzuteilen und die Beprobung gezielt zu planen. Aus den Ergebnissen erstellt Ihr Karten und prüft, ob sich räumliche Muster zeigen und womit sie zusammenhängen. In Verbindung mit Literaturstudien und Gesprächen mit dem Betrieb soll erörtert werden, ob sich daraus relevante Handlungsempfehlungen für den Betrieb ableiten lassen. Du startest in diesem Projekt jedoch nicht bei Null und wirst in einem jungen Grünlandlehre-Team mitarbeiten, in dem Du auch die Möglichkeit hast, weiterführende Forschungsfragen für eventuelle Abschlussarbeiten und/oder Projektarbeiten zu entwickeln.

Interessiert? Dann melde dich gerne bei mir! Ich freue mich auf deine Ideen und unterstütze dich bei dem Projekt.

Beschreibung des interdisziplinären Teils des Projekts
Auf der Kurzrasenweide greifen Boden, Aufwuchs und Tier eng ineinander: Was der Boden bereitstellt, nehmen Pflanzen und Kühe auf, und über Kot und Harn gelangt es (räumlich ungleich verteilt) wieder zurück auf die Fläche. Wer diesen Kreislauf verstehen und daraus Empfehlungen ableiten will, braucht mehrere Blickwinkel: die Bodenkunde für Probenahme und Analytik, die Präzisionslandwirtschaft für Leitfähigkeitsmessung, Kartierung und räumliche Auswertung, den Pflanzenbau und die Tierernährung für die Frage, was die Gehalte für Aufwuchs und Spurenelementversorgung der Kühe bedeuten, und die Betriebswirtschaft für die Bewertung möglicher Maßnahmen, wie etwa teilflächenspezifisches Handeln im Vergleich zu einer einheitlichen Behandlung der Weide oder einer Anpassung des Mineralfutters. Je nachdem, wie Du Deinen Schwerpunkt setzt, entwickelst Du Deine Fähigkeiten in einem dieser Bereiche weiter, bringst sie ins Team ein und führst die Ergebnisse gemeinsam mit den anderen zu einem Gesamtbild zusammen.
Projektzeitraum
Wintersemester 2026/2027 und Sommersemester 2027
Bewerbungszeitraum
12. bis 26.10.2026
Durchführung
semesterbegleitend
Details zu Projektzeitraum und Durchführung

nach Absprache

Studienfach
offen für alle Studienfächer
Betreuende
Dr. Moritz von Cossel
Institut
Institut für Kulturpflanzenwissenschaften (340) (340b)
Sprache
deutsch
Teilnehmendenanzahl
min. 2, max. 4
Arbeitsaufwand
ca. 60 Stunden pro Teilnehmende:r | 2 ECTS-Punkte

Arbeitsaufwand (Stunden und ggf. ECTS) sind ungefähre Angaben. Die tatsächlich vergebenen ECTS-Punkte ergeben sich aus der tatsächlich geleisteten Arbeit.

 
Für dieses Projekt ist kein Motivationsschreiben des Studierenden erforderlich
Projektart
empirisch
Lernziele

Die Teilnehmende lernen in diesem Projekt:

Wissen und Verstehen: 

Darstellen: erklären und darstellen, wie Weidetiere über Kot und Harn Nährstoffe und Spurenelemente auf der Fläche umverteilen

Interpretieren: gemessene Gehalte an Mikronährstoffen und Schwermetallen anhand von Versorgungsstufen und Vorsorgewerten einordnen

Anwenden I: 

Anfertigen: einen Beprobungsplan erstellen (Raster oder Zonen auf Basis von EM38-Messungen)

Umsetzen: Bodenproben mit GPS fachgerecht nehmen, dokumentieren und für die Analyse aufbereiten

Anwenden II: 

Auswerten: Labordaten statistisch auswerten und räumlich darstellen (z. B. Interpolation und Kartierung in QGIS oder R)

Logische Fehler entdecken: Ergebnisse auf Plausibilität prüfen, also Ausreißer und Fehler bei der Probenahme erkennen und Scheinzusammenhänge sowie die Grenzen der eigenen Aussagen erkennen

Bewerten und Problem lösen: 

Entdecken: mögliche Ursachen räumlicher Muster herausarbeiten (z. B. Weideführung, Tränke- und Liegeplätze, Bodenunterschiede, Relief)

Diskutieren: Ergebnisse im Team und mit dem Betrieb diskutieren und mögliche Maßnahmen aus pflanzenbaulicher, tierbezogener, ökonomischer und ökorechtlicher Sicht abwägen

Neues Schaffen: 

Schöpferisch arbeiten: eine Handlungsstrategie für den Betrieb entwickeln und für die Praxis aufbereiten (z. B. Kurzbericht, Karte, Hofgespräch)

Entdecken: aus offenen Fragen eigene Forschungsfragen für Abschluss- oder Projektarbeiten ableiten

Anmerkungen für Studierende
Schlagworte
Boden, Dauergrünland, Mikronährstoffe, Pflanzenbau, Praxiserfahrungen, Spurenelemente, Weide